Außerschulische Jugendbildung und Soziale Arbeit – ein alter Zopf?

Der Begriff „außerschulische Jugendbildung“ ist zwar nicht sonderlich hip, doch was sich hinter dem SP_Jugendbildungverstaubten Namen verbirgt, ist aktueller denn je.

Außerschulische Jugendbildung ist ein spezifischen Bereich der Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII und findet – wie der Name schon sagt – außerhalb der Schule statt. Sie baut auf alltägliche Lebenserfahrungen junger Menschen und lebt von der freiwilligen Teilnahme in deren Freizeit, der Zugänglichkeit für alle sowie von Wertorientierung und Partizipation.

Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) ist die außerschulische Jugendbildung einer von sechs Schwerpunkten.

Warum ist die außerschulische Jugendbildung heute so wesentlich? In Zeiten von Globalisierung, sozialen Unterschieden, steigenden Anforderungen und rasanten Entwicklungstempi, aber auch Unwägbarkeiten im eigenen Lebenslauf (z. B. Arbeitslosigkeit, Pflege von Angehörigen, Verfall des Familienbildes), Orientierungslosigkeit und Medienüberfrachtung gewinnt soziales Lernens und die Aneignung sozialer Kompetenzen an Bedeutung.

Ziele außerschulischer Jugendbildung

Außerschulische Jugendbildung ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu bewussten und sozial kompetenten Persönlichkeiten, motiviert sie für ein aktives soziales Engagement sowie die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Junge Menschen werden befähigt, sich mit ihrer persönlichen Biografie und den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinander zu setzen sowie Werte, Normen und eigene Lebensentwürfe kritisch zu hinterfragen.

Ziele außerschulischer Jugendbildung sind demnach insbesondere

  • die Entwicklung von Selbstständigkeit sowie der Ausbau von Eigenverantwortung und Eigeninitiative;
  • die aktive demokratische Beteiligung und Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen.

Neben Sozialarbeitern, Lehrern und Erziehern sind Jugendverbände wie z. B. Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Sportbünde oder Naturschutzverbände für die Jugendbildung geradezu prädestiniert. Allerdings sollten sich die Zielstellungen von außerschulischen Bildungsmaßnahmen auch im Leitbild des Trägers widerspiegeln, so dass die pädagogischen Konzepte nicht den Trägerinteressen widersprechen.

Beispiel: Ein Kulturverein wird keine Umweltrallye starten, wenn seine Stärken eher im Rollenspiel liegen, und Sportvereine werden sich bevorzugt in der gesundheitlichen Jugendbildung und der Erlebnispädagogik engagieren.

Selbst ausprobieren, gemeinsam erleben, voneinander lernen und Erfahrungen nutzen – damit können Sinn-, Werte- und Orientierungsfragen, Einsichten, Persönlichkeitsbildung, Selbstorganisation, Zusammenhalt, soziale Integration und die Interessenvertretung von und durch junge Menschen gefördert werden.

Arbeitsfelder außerschulischer Jugendbildung

Außerschulische Jugendbildung umfasst allgemeine Themen, Politik, Soziales, Gesundheit, Kultur, Technik und Ökologie. Interessante Fragen sind etwa, wie neben dem Umgang mit der Technik gezielt Medienkompetenzen, besonders Fähigkeiten zur Informationsrecherche und deren Reflexion vermittelt oder wie durch die Jugendarbeit im Sport Fairness, Teamgeist und Integrationsbereitschaft entwickelt werden können.

Die genannten Arbeitsfelder sind nicht voneinander trennbar. So spielt z. B. soziale Jugendbildung überall eine zentrale Rolle. Doch um welche Prämissen geht es konkret?

  • Politische Jugendbildung: Kinder und Jugendliche lernen, gesellschaftliche Zusammenhänge, Werte und Normen einzuordnen, demokratische Spielregeln und Umgangsformen zu verstehen sowie gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu bewerten.
  • Soziale Jugendbildung: beeinflusst das tägliche Miteinander, entwickelt Sozialkompetenz und motiviert zu ehrenamtlichem Engagement. Sie befähigt junge Menschen zur Bildung und Vertretung eigener Standpunkte, Akzeptanz verschiedener Lebensstile, gewaltfreier Kommunikation, Integration sozial Benachteiligter, einem vorurteilsfreien Umgang sowie einem generationenübergreifenden Dialog.
  • Gesundheitliche Jugendbildung: sensibilisiert Kinder und Jugendliche für eine gesunde Lebensweise, behandelt Fragen zur Sexualität, des Missbrauchs von Drogen und Suchtmitteln sowie den Umgang mit kranken und behinderten Menschen.
  • Kulturelle Jugendbildung: animiert zur kreativen Auseinandersetzung mit Kunst, Kultur und neuen Medien sowie zur Entwicklung eigener künstlerischer und kultureller Ausdrucksformen. Sie ermöglicht u.a. eigenes künstlerisches Experimentieren, Rollenspiele, Nachwuchstheater und kulturelle Integration.
  • Technische Jugendbildung: kurbelt das Interesse für Naturwissenschaft, Technik und Forschung an, entwickelt Kompetenzen für den geeigneten Umgang mit Technik und neuen Medien, sensibilisiert für den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, trägt aber auch zum kritischen Umgang bei der Anwendung technologischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse bei.
  • Ökologische Jugendbildung: Junge Menschen werden für die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur sowie die Folgen von Eingriffen in natürliche Kreisläufe sensibilisiert. Sie unterstützt die sinnliche Wahrnehmung, vermittelt Orientierungen für den ökologischen Umgang mit Natur und Umwelt, setzt sich mit Zerstörungsszenarien auseinander und motiviert für eine umwelt- und ressourcenschonende Lebensweise.

Außerschulische Jugendbildung wird von den Jugendämtern i.d.R. finanziell gefördert, SP_logo16_Tippwenn neben geeigneten Themen die Fachlichkeit  des Personals (z. B. mit (sozial)pädagogischem Berufsabschluss), eine angemessene Öffentlichkeitsarbeit, die erforderliche Ausstattung und nicht zuletzt eine sachgerechte Mittelverwendung nachgewiesen werden kann.

Qualitätssicherung von Jugendbildungsprozessen

Niemand wird aus Spaß an der Freude außerschulische Jugendbildungsprojekte anbieten, ohne damit einen Effekt zu erreichen. Daher sind Zielformulierung, Methodenauswahl und –kompetenz, die eigentliche Umsetzung sowie die laufende Evaluation die zentralen Qualitätskriterien.

Sollen die Maßnahmen bzw. Projekte sinnvoll sein, dann müssen die Inhalte auf die Zielgruppen und spezifische Trägerkompetenzen bedarfsgerecht zugeschnitten werden.

Hat das Projekt einen kultigen Namen, werden interessierende Themen behandelt und die Inhalte interessant „verpackt“, kann auch Jugendbildung cool sein.

Die „Betroffenen“ in den Prozess außerschulischer Jugendbildung von der Planung bis hin zur Auswertung einzubeziehen, kann wesentlich zur Zielschärfung beitragen. Je klarer die Prozessbeteiligten ihr Ziele vorab formulieren und je detaillierter Ort, Ablauf, Methoden und ggf. die Einbeziehung anderer Träger definiert werden, umso größer ist letztendlich der Erfolg.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt: Mit einer selbstkritischen Auswertung und Reflexion der Bildungsmaßnahmen können notwendige Schlussfolgerungen für Träger und Teilnehmer gezogen werden. Passen Thema, Konzept und Didaktik, ist die Zielgruppe zufrieden. Ist dem nicht so, sind neue Ideen gefragt.

Bewertbarkeit außerschulischer Jugendbildung

Bei der Einschätzung der Wirksamkeit außerschulischer Jugendbildung geht es nicht vordergründig um Wissensgewinn, Fachlichkeit oder Methodik, sondern um die Erweiterung der Handlungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen, die Auseinandersetzung mit Verhaltensweisen und die Beziehungen bzw. das soziale Klima untereinander.

Die Effektivität außerschulischer Jugendbildungsangebote ist ohnehin schwer messbar, weil sich Zielgruppen, Teilnehmerkreis, Interessen und Themen häufig unterscheiden. Nichtsdestotrotz ist es sinnvoll, Jugendbildungsmaßnahmen nach Schwerpunkten wie Inhalt, Vorgehensweise und Zufriedenheit offen und selbstkritisch zu bewerten.

Es empfiehlt sich,

  • die Ziele, Interessen und Erwartungen der Beteiligten zu vergleichen,
  • zwischen den eigentlichen Projektzielen und einer späteren Übernahme der erworbenen Kompetenzen in den Alltag zu unterscheiden,
  • die festgelegten Ziele getrennt nach Wissen/Fertigkeiten und sozialer Handlungskompetenz fest zu halten.

FAZIT:

Durch außerschulische Jugendbildungsangebote können Kinder und Jugendliche im Zusammenspiel mitSP_logo16_Fazit Gleichaltrigen oder Gleichgesinnten selbst erlernen, was neben der Schule wichtig ist und das Leben ausmacht: Miteinander statt gegeneinander, Kommunikation statt Schweigen, Engagement statt Couch, Bewegung statt Drogen, Insektenhotel statt Umweltverschmutzung, Musiktheater statt Horrorfilm, eigener Videofilm statt Playstation.

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