Soziale Arbeit und Medien – Chancen, Gefahren und Handlungsfelder

Soziale Arbeit und MedienMedienpädagogik bzw. Medienkompetenz ist ein Teilbereich der Sozialen Arbeit. Einerseits nutzen Sozialarbeiter die digitalen Medien für ihre Dokumentationen, die Fortschreibung von Hilfe- und Jugendförderplänen, die Erstellung von Flyern, Plakaten und Protokollen, das Qualitätsmanagement und ihre E-Mails – also für die täglichen Notwendigkeiten. Andererseits lebt die Soziale Arbeit in ihrer Vielfalt von Kommunikation, Erreichbarkeit, Kooperationen, Netzwerkarbeit sowie der Förderung von Teilhabe und der Schaffung von Zugängen. Auch soziale Probleme, die durch (neue) Medien verursacht werden, liegen im Wirkungsfeld der Sozialen Arbeit.

Aus dem sozialen Blickwinkel betrachtet geht es bei medienpädagogischer Kompetenz nicht um Medien oder Technik an sich, sondern um den sozialen und kommunikativen Umgang mit den Medien, der für die Lebensbewältigung sowie Interessen und Bedürfnisse relevant ist.

Medieneinflüsse auf die Soziale Arbeit

Sozialarbeiter sitzen wie so oft zwischen den Stühlen: Soziale Arbeit profitiert von der Mediennutzung, soll aber auch deren Folgen ausbügeln.

Positiv: Soziale Arbeit kann durch Social Media ihr oft düsteres Erscheinungsbild aufpolieren und mit mobilen Klienten, Familienangehörigen und der Öffentlichkeit, aber auch in Netzwerken auf niedrigschwelliger Ebene zeit- und aufwandsparender kooperieren. Besonders bei Kindern und Jugendlichen verkürzen sich die Kommunikationswege, Informationen verbreiten sich wie von selbst. Dass dies auch analog möglich ist, sei hier nur festgestellt.  Zudem erhalten Menschen mit Behinderungen oder sozialen Problemen durch die Mediennutzung die Möglichkeit zur Partizipation am gesellschaftlichen Leben.

Negativ: Ungefilterter Medienkonsum verbrennt nicht nur viel Zeit, sondern hat auch Suchtpotenzial und kann bis zur sozialen Isolation führen. Zudem spielen die oft unkritische Auseinandersetzung mit jugendgefährdenden Inhalten wie Kriegsverherrlichung, Rassismus, Gewalt oder Pornografie, aber auch das Sympathisieren mit extremistischen Gruppierungen (siehe auch Rechtsextremismus) oder das Jagen nach Schönheitsidealen eine zentrale Rolle. Bei der Flucht in Scheinwelten und dem Wunsch nach schneller Selbstbestätigung werden leichtfertig persönliche Informationen preisgegeben, die später zum Bumerang werden können. Mit Familie, Freunden und Bekannten nur noch online zu kommunizieren, ist weder cool noch mutig. 

Ursachen für mediale Risikosituationen

Ursache ekzessiver Mediennutzung ist meist nicht die Bewunderung für die abgefahrene Technik, sondern die ganz persönlichen Lebensumstände. Ein schwieriges soziales Umfeld, ein unorganisierter Familienalltag, mangelnde Anerkennung oder Überforderung können dazu führen, dass sich Kinder und Jugendliche abgehängt fühlen, sich zurück ziehen und eigene Wege der Bestätigung suchen. Dazu drängen sich in unserer Spaßgesellschaft die Medien regelrecht auf. So kuscheln junge Erwachsene in schwierigen Lebens- oder Frustsituationen nicht mit ihren Eltern oder klicken auf Jugendbildungsinhalte, sondern flüchten sich lieber in unpersönliche Pseudorealitäten. In der virtuellen Welt können sie sich austoben, Gleichgesinnte treffen, Bewunderung erhaschen, sich Gruppen anschließen oder anonym Freunde, Familie und Lehrer beschimpfen.

Soziale Arbeit kann neben Schule und Elternhaus mit gezielter medienpädagogischer Arbeit zu einem bewussten Medienumgang beitragen und Desorientierung präventiv entgegenwirken.

Medienpädagogik mit Kindern und Jugendlichen

Medienkompetenz in der Sozialen Arbeit heißt, Medien als Informationsquelle und Lernspeicher zu betrachten, als Möglichkeit der Teilhabe und der Thematisierung sozialer Benachteiligungen zu nutzen sowie als Einflussfaktor und prägendes Instrument der Öffentlichkeitsarbeit zu begreifen. Dies schließt die kritische Betrachtung ein, wie Medien etwa soziale Schieflagen kommentieren, über soziale Probleme berichten oder mit Benachteiligten umgehen. Zudem sollten Sozialarbeiter die Mechanismen der Medien insoweit verstehen, dass sie für Klienten und ihr eigenes Umfeld Lobbyarbeit leisten können und durch eine kreative Mediennutzung Teilhabe ermöglichen. So viel zur Theorie.

Soziale Netzwerke werden weltweit von Millionen Menschen genutzt, wir sind mit einem Klick rund um die Uhr mittendrin statt nur dabei. Durch Online-Communities werden innerhalb kürzester Zeit virtuelle Gruppen definiert, für die es sonst Monate Zeit bräuchte. Mit Online-Plattformen werden Kontaktaufnahme und Austausch ebenso zum Kinderspiel wie die Freigabe persönlicher Daten, Identitätsprofilen und Bildern. Nicht zuletzt werden soziale Netzwerke zum virtuellen Laufsteg für die Präsentation von Makellosigkeit oder Unkonventionalität. Chatforen beeinflussen die Meinungsbildung, ermöglichen aber auch schnelle Dates in der realen und virtuellen Welt.

Soziale Netzwerke kennen keine Landesgrenzen und verleiten zur Freigabe sensibler persönlicher Daten. So werden Kommentare und Pinnwand-Einträge ebenso öffentlich wie Videos, Fotos, Fakes und Beleidigungen bis hin zum Shitstorm. Zudem haben meist Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter keinen Überblick über die virtuellen Aktivitäten des Nachwuchses. Daher sind sie gut beraten, sich aktiv mit den von Kindern und Jugendlichen genutzten Medien sowie deren Vorlieben, Faszination und Ängsten auseinander zu setzen, aber auch ihre eigene Mediennutzung selbstkritisch zu reflektieren – Stichwort Vorbildfunktion!

Anforderungen an die Medienkompetenz in der sozialen Arbeit

Medienkompetenz kann durch Medienkritik und Medienkunde vermittelt sowie durch Mediennutzung und Mediengestaltung individuell geprägt werden. Das wollen wir inhaltlich nicht weiter vertiefen.

Kinder- und Jugendarbeit kann den Umgang mit Medien lenken und begleiten.

Soziale Arbeit

  • muss Medieninhalte und -formate wertneutral und kritisch wahrnehmen, da sich ihre Klienten sehr oft in diesen Lebenswelten wiederfinden. So spielen unter Jugendlichen Formate wie „Germanys next Topmodel“ ebenso eine Rolle wie „Bauer sucht Frau“ bei Erwachsenen.
  • basiert auf Kommunikation und braucht alle verfügbaren Medien für das Erreichen bestimmter Zielgruppen, Lobbyarbeit, Solidarisierung und Partizipation.
  • soll insbesondere Kinder und Jugendliche vor den Risiken der Medien schützen. So gaukelt die Medienwelt überzeugend vor, dass ein peinlicher Fernsehauftritt für ein sorgenfreies Leben reicht. Sozialarbeit trägt hier eine besondere Verantwortung für den kritischen Umgang mit bestimmten Medienformaten, den Schutz der Privatsphäre sowie die Einhaltung des Kinder- und Jugendschutzes.
  • ermöglicht Menschen mit Behinderungen, sozialen Problemlagen oder Migranten die Nutzung der Medien als Hilfsmittel für den Ausgleich ihrer Nachteile.
  • soll Ungleichheiten aufgrund sozialer Herkunft und Bildungsunterschieden bei der Mediennutzung und –kompetenz ausbalancieren.
  • soll dazu verhelfen, verschiedene Medien als didaktische Hilfsmittel in außerschulischen Bildungsprozessen einzusetzen und damit soziale Benachteiligungen auszugleichen.
  • soll allen die praktische Möglichkeit zur kreativen Gestaltung mit technischen Medien geben und deren Medienkompetenz stärken.
  • soll der medialen Globalisierung mit einer lokalen sozialräumlichen Identität begegnen.
  • soll dazu anregen, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern selbst kreativ tätig zu werden.

FAZIT:

In der Sozialen Arbeit kommt niemand umhin, sich Fähigkeiten im Umgang mit Medien anzueignen, um von den vielfältigen Mehrwerten zu profitieren. Für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist es SP_logo16_Fazitausschlaggebend, Medien so zu nutzen, dass sie die eigenen Ressourcen und Kreativität befördern, aber auch lernen, (selbst)kritisch und sehr bewusst damit umzugehen. Freizeit besteht schließlich nicht nur aus Smartphone oder Playstation, sondern wird durch gemeinsame Aktivitäten mit Freunden, Bekannten oder Mitschülern erst zum Highlight und damit zur Schule fürs Leben. Facebook-Bekanntschaften taugen nicht als Trostspender, Tränentrockner, In-den-Arm-Nehmer oder ehrlicher Ratgeber.

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