Soziale Arbeit zwischen Weihnachtsstress, Kommerz und guten Vorsätzen

weihnachtszeit-gabenzeitPünktlich zum Jahresende versetzen uns die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage nicht nur in Stress und Hektik, sondern wir werden vom Kommerz erschlagen und geraten in allerlei persönliche Zwickmühlen. Soziale Themen, sonst meist nur eine Randnotiz wert, erhalten plötzlich völlig andere Dimensionen in der Berichterstattung und in der öffentlichen Wahrnehmung. Alles Berechnung, oder?
In den letzten Tagen des Jahres versuchen schließlich alle, die Versäumnisse der vergangenen Monate zu korrigieren und bis Silvester die Welt nach dem Motto „Es gibt kein Morgen mehr.“ zu retten.

Weihnachtszeit = Gabenzeit

Kommunalpolitiker besuchen bevorzugt in der Vorweihnachtszeit mit Pressevertretern die in der Region ansässigen Tafeln, Tierheime, Obdachlosenunterkünfte, Senioreneinrichtungen und Krankenhäuser. Neben Statements über die außerordentliche Bedeutung solcher Einrichtungen werden die letzten Reserven aus den kommunalen Geldbeuteln geschüttelt und den Mitarbeitern Schulter klopfend zugerufen, dass sie sich auch weiterhin aufopfernd engagieren mögen.
In Kindergärten, Schulen, Bibliotheken und Jugendklubs wetteifern Politiker um einen Auftritt als Märchentante oder Weihnachtsmann. Auch der Kuchenbasar in der Behinderteneinrichtung erfährt im Advent eine besondere Beachtung.

Manche Belegschaft würde während ihrer Berufslaufbahn kein Wort des Dankes von der Geschäftsleitung hören, wenn es keine Firmenweihnachtsfeiern gäbe. Schließlich wird ja das Personal für seine Arbeit (mehr oder weniger gut) bezahlt, also ist Lob dafür nicht vorgesehen?

Einige Kollegen oder Bekannte finden sich zur Weihnachtsparty oder am örtlichen Glühweinstand zusammen, die das ganze Jahr wortlos aneinander vorbei gehen. Was bleibt, ist oft die Erkenntnis, dass der oder die gar nicht die blöde Zicke oder der überhebliche Macho ist wie sie immer dachten. Verbale Kommunikation macht‘s möglich.

Auch die Notwendigkeit von Nachbarschaftshilfe rückt um die Weihnachtszeit wieder in den Mittelpunkt, ganz so, als wäre das hilfebedürftige Ehepaar pünktlich zum Advent neben uns erst eingezogen. Doch soziale Verantwortung in unserem persönlichen Umfeld zu übernehmen, sollte nicht nur in der besinnlichen Zeit des Jahres ein Thema sein.

Soziales Klima zwischen Freiwilligkeit und Pflicht

Eine Reihe von Vereinen, Verbänden und Initiativen, die mit Blick auf die kommunalen Haushalte unter die Rubrik „Freiwillige Leistungen“ fallen, werden eigens zur Adventszeit besonders hofiert, denn ohne deren Engagement wären einige gesellschaftliche Bereiche im Sozialwesen längst maßlos überfordert, kalt und seelenlos.

Dass es etwa bei ambulanten Hospizdiensten, Selbsthilfegruppen, Kultur- und Sportvereinen oder im Naturschutz (noch) weitgehend in geordneten Bahnen läuft, ist schließlich nicht zuerst der Verdienst der Politik, sondern zu einem großen Teil dem Ideenreichtum, Idealismus, der Hartnäckigkeit und der Flexibilität der Ehrenamtlichen zuzurechnen.

Die vorweihnachtlichen Appelle, auch Menschen mit Handicap und am sozialen Rand, Flüchtlinge und Migranten sowie sozial Schwache stärker in die Gesellschaft zu integrieren, für hungernde Kinder in Afrika zu spenden, gegen Sucht und Drogen zu kämpfen, Pflege-bzw. Betreuungspatenschaften für Senioren zu übernehmen oder ehrenamtliches Engagement auch weiterhin zu leisten, zielen ganz direkt auf unser schlechtes Gewissen.

Tue ich selbst genug oder spende ich lieber? Sich beide Fragen zu stellen, kann erst einmal nichts schaden. Nichtsdestotrotz ist die Politik für die Schaffung solcher Rahmenbedingungen verantwortlich, dass auch Kranken- und Altenpfleger ohne Nebenjob von ihrer Arbeit leben können, die berechtigten Sorgen der Menschen etwa in der Flüchtlingskrise ernst genommen werden und ehrenamtliches Engagement bei der hohen Arbeitslast und den fachlichen Anforderungen überhaupt noch vorstellbar ist.

12 Monate Weihnachtsfeeling – Realität oder Träumerei?

Warum gelingt es uns nicht, die friedlich sanfte Stimmung der Vorweihnachtszeit auf die anderen 11 Monate des Jahres zu übertragen?

Eine zentrale Rolle spielen dabei aus unserer Sicht weder die Höhe der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel für die Soziale Arbeit und Gehälter im Sozialwesen noch die möglichen Zuschüsse für internationalen Jugendaustausch, außerschulische Jugendbildung oder Schulsozialarbeit.

Maßgebender für das soziale Klima in allen Bereichen unserer Gesellschaft sind eher ein respektvolles Miteinander, die Würdigung der besonderen Rolle von Familie, Freunden und Bekannten für die eigene Entwicklung, eine funktionierende interne Kommunikation in Unternehmen, ein von Aufgeschlossenheit, Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit geprägtes Arbeitsklima, die Einbeziehung, Motivierung und Achtung der Belegschaft durch alle Führungskräfte, die uneingeschränkte Anerkennung der Leistung anderer, der Verzicht auf lästige Neiddebatten, Mobbing und Rechthaberei, eine vorurteilsfreie Einstellung gegenüber Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und Farbe, Respekt vor dem Alter sowie ein klarer und dennoch kritischer Blick auf unser individuelles Umfeld würde uns allen gut zu Gesicht stehen.

Also was halten Sie davon, wenn wir 2017 beweisen, dass wir nicht nur große Worte spucken können, sondern wirklich über ein hohes Maß an sozialer Kompetenz verfügen, stets einen helfenden Blick auf unsere Familie, Nachbarn und Kollegen werfen, jeder einen kleinen Beitrag fürs Gemeinwohl leistet und bewusst erleben, welche Wertigkeit dies für unser persönliches Umfeld und jeden Einzelnen hat? Vielleicht fangen wir ja schon heute damit an.

In diesem Sinne noch eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und einen gesunden Start ins neue Jahr!

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