Sozialverhalten heute-taff oder peinlich?

SozialverhaltenSoziales Verhalten umfasst alle unsere (positiven und negativen) Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen und gehört damit zu den Alltäglichkeiten unseres Lebens: Wir mögen, lieben oder hassen andere Personen, unterstützen Freunde, Kollegen oder Studierende, ärgern uns über andere und schimpfen vor uns hin, arbeiten in Teams an gemeinsamen Zielen oder konkurrieren um das beste Ergebnis, begegnen Fremden zuvorkommend, zurückhaltend und freundlich, akzeptieren andere Meinungen und Sichtweisen, achten ältere und lebenserfahrene Menschen.

Was wir damit sagen wollen: Unser soziales Verhalten wird meist zuerst von Emotionen wie Freude und Ärger, Liebe und Hass, Souveränität und Scham oder Glück und Trauer geprägt und gesteuert. Wir urteilen oft spontan, intuitiv und aus dem Bauch heraus. Durchdachte und strategische Entscheidungen brauchen dagegen ihre Zeit.

Die Entwicklung des Sozialverhaltens beginnt bereits im Kindesalter. Durch Bewegung und Interaktion, gemeinsames Spielen, die Einbeziehung anderer Spielpartner und Kooperationen, die Erprobung eigenen Verhaltens sowie die differenzierte Wahrnehmung von Gefühlen entwickelt sich Sozialverhalten, das die Festigung der eigenen Persönlichkeit, Selbstbehauptung und Rücksichtnahme ebenso einschließt wie Regeln für ein soziales Miteinander.

Sozialverhalten=Sozialkompetenz?

Die Begriffe Sozialverhalten und Sozialkompetenz werden oft im gleichen Zusammenhang verwendet, haben aber dennoch nicht die gleiche Bedeutung. Soziale Kompetenz beschreibt die Qualität des eigenen Sozialverhaltens. Was heißt das?

Wenn wir über ein breites Spektrum an sozialen Kompetenzen (Soft Skills) wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Gesprächsführung, Durchhaltevermögen, Konflikt- und Kritikfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit, aber auch Selbstmanagement, Verantwortungsbewusstsein, Sorgfalt und Umgangsformen verfügen, stehen unsere Chancen gut, dass wir im privaten und beruflichen Alltag situationsangepasst agieren und reagieren können.

Störungen des Sozialverhaltens

Ein den alltäglichen Situationen angemessenes Sozialverhalten ist kein Selbstläufer. Das haben wir alle schon mehr oder weniger intensiv erlebt. So spiegeln sich Störungen des sozialen Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen etwa in aufsässigem, aggressivem (z. B. die Zerstörung von Eigentum, Betrug oder Diebstahl), verhaltensauffälligem und oppositionellem Benehmen wider, in der Verletzung grundlegender Rechte anderer Menschen oder in nicht altersentsprechendem Auftreten wider.

Extreme Formen gestörten Sozialverhaltens äußern sich als Streit, Tyrannei, Grausamkeiten gegenüber Menschen und Tieren, Stehlen und Lügen, aber auch durch Wutausbrüche, Schulschwänzerei oder Weglaufen von zu Hause.

Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von Gewalttätigkeit der Eltern und Inkonsequenz bei der Erziehung über ungenügende Schulbildung, niedrige Frustrationstoleranz und Langeweile bis hin zum Konsum von Suchtmitteln (z. B. Alkohol, Rauchen, Drogen), sozialem Druck, Ausgrenzung oder schädlichen Einflüssen durch die Medien.

Vorsicht! Wenn oppositionelle und antisoziale Verhaltensweisen oft und stark ausgeprägt über mehrere Monate und mit drastischen Auswirkungen auf das Familienleben, Kindergarten, Schule oder Berufsausbildung auftreten, ist eine professionelle Behandlung durch Verhaltenstherapien unter Einbeziehung der Eltern und sonstiger Hilfsmaßnahmen wie Elterntraining zur Reduzierung der familiären Alltagsbelastung, Anti-Aggressionstraining und gewaltpräventive Maßnahmen notwendig.

Sozialverhalten heute – sind wir alle gestört?

Wenn wir heute – gezielt beobachtend – durch das alltägliche Leben gehen, haben wir den Eindruck, dass wir alle nicht mehr richtig ticken, oder?

Haben wir kein Benehmen mehr? Wo ist unsere Freundlichkeit und Offenheit geblieben? Wohin  haben wir unsere Umgangsformen verdrängt? Haben wir das Grüßen verlernt? Ist Respekt und Achtung vor Älteren nicht mehr angesagt? Was ist das für ein Hype, am gleichen Tisch lieber per Smartphone zu kommunizieren anstatt sich zu unterhalten? Warum treten Schüler, Studierende oder Praktikanten gegenüber Lehrern, Mentoren oder Berufsexperten vom ersten Tag an auf als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen? Sind zerrissene Jeans und ausgewaschene Shirts wirklich opern- oder theatertauglich? Warum werden Mitschüler wegen ihrer Familie, Kleidung, Freunden oder ihres Aussehens gemobbt und ausgegrenzt? Fühlen wir uns besser, wenn wir unsere Kollegen beim Chef anschwärzen? Hilft wegschauen, um den Kinderwagen nicht mit über die Treppe tragen zu müssen? Warum drohen wir gleich mit dem Rechtsanwalt, wenn wir nicht Recht bekommen (haben)? Was veranlasst uns dazu, mit fremdem Eigentum völlig sorglos umzugehen? Wieso überbringen wir schlechte Nachrichten nicht mehr persönlich, sondern lieber per E-Mail, SMS oder WhatsApp? Und warum kommen wir nur noch hinter dem Ofen hervor, wenn wir auf eine (finanzielle) Gegenleistung hoffen können?

Sind wir noch zu retten?

Unsere Gesellschaft hat sich verändert, ist schneller und kälter geworden – und die Menschen ebenso.

Aber fühlen wir uns damit wohler? NEIN!
Zurück zu den Wurzeln? JEIN!
Ein bißchen mehr Normalität? JA!

Vielleicht halten Sie uns an dieser Stelle für konservativ und verstaubt, weil wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir bei allem gesellschaftlichen Fortschritt unser einstmals „erlerntes“ Sozialverhalten nur verdrängt und eben nicht die Löschtaste gedrückt haben.

Gibt es Ihnen kein gutes Gefühl, in der Partnerschaft eine schwere Krise gemeistert, sich mit Freunden unterhalten und gemeinsam mit den Kollegen ein wichtiges Projekt erfolgreich abgeschlossen zu haben, aber auch mit Mitschülern einen kameradschaftlichen Umgang zu pflegen, für das Gemeinwohl ehrenamtlich tätig zu sein, besondere Leistungen Anderer neidlos anzuerkennen und unseren Mitmenschen vorurteilsfrei zu begegnen? DOCH!

Wir haben vergessen, uns etwa mit Lebenspartnern, Kollegen, Nachbarn, Freunden, Schuldirektoren oder Lehrern bei Konflikten hart, aber dennoch sachlich, fair und respektvoll auseinander zu setzen, zusammen für beide Seiten nach gangbaren Wegen zu suchen und gestärkt aus derartigen Krisensituationen hervor zu gehen. Wir haben verdrängt, dass wir das Wissen, die wertvollen Erfahrungen und das Know-how Älterer nutzen, ihnen mit Anstand begegnen und deren Hilfe dankbar annehmen können. Und wir haben verlernt, anstatt egoistisch an uns selbst und unseren unmittelbaren „Dunstkreis“ auch an Andere zu denken, sie „mitzunehmen“, zu unterstützen und zu integrieren!

Wir sollten uns immer wieder daran erinnern, was eigentlich wirklich wichtig ist im Leben  – Gesundheit, glückliche Familie, verlässliche Freunde, Zeit, Teamplayer als Kollegen, Geben und Nehmen. Was sind dagegen alle persönlichen Scharmützel, Kleinkriege, Gerichtsverfahren und Neiddebatten wert?

FAZIT:

Intaktes Sozialverhalten prägt die Gesellschaft und bringt sie voran. Daher ist der Erwerb sozialen Verhaltens bereits imSP_logo16_Fazit Kindesalter die Voraussetzung, dass – beruflich wie privat und bei allen individuellen Stärken und Schwächen – ein förderliches soziales Klima entstehen, das Miteinander der Generationen harmonieren und das gesellschaftliche Zusammenleben funktionieren kann. Sozialverhalten ist unser gemeinsames Projekt!

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