Streetwork in der Sozialen Arbeit

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Streetwork bzw. Straßensozialarbeit wird meist mit einer „Sozialfeuerwehr“ gleich gesetzt, die bei Belagerung öffentlicher Räume und Plätze durch Jugendgruppen in Verbindung mit empfundener Belästigung und / oder Entwicklung von Subkulturen als schnelle Lösung installiert wird.

In der Tat kommt Streetwork als Methode der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit meist dann zur Anwendung, wenn Kinder, Jugendliche und junge Volljährige das Leben auf der Straße dem in ihrer Familie vorziehen und andere traditionelle Hilfeangebote verweigern. Zudem ist Straßensozialarbeit ein probates Mittel, um zu auffälligen Zielgruppen mit Cliquen- bzw. Szenebezug und im Rahmen von Anti-Gewalt-Programmen an deren Treffpunkten Kontakte zu knüpfen und weiterführende soziale Angebote zu unterbreiten.

Streetwork hat seine gesetzliche Grundlage im Sozialgesetzbuch VIII, Kinder- und Jugendhilfe, wohingegen Projekte der aufsuchenden Wohnungslosenhilfe auf SGB II und XII sowie Projekte der Drogenhilfe auf SGB V basieren.

Streetworker nutzen weniger soziale Einrichtungen, in denen sie auf die Anwesenheit oder das freiwillige Kommen der Klientel warten, sondern suchen Kinder und Jugendliche an ihren Treffpunkten wie Fußgängerzonen, Parks, Hinterhöfen, Spiel- und Bolzplätzen, Straßenecken, Diskotheken oder Bahnhöfen auf. Sie stellen zu den Adressaten ohne Bedingungen Kontakte her und versuchen, mit der notwendigen professionellen Distanz Schwellenängste abzubauen, Hilfen anzubieten, Beratungsangebote zu ermöglichen oder zwischen Nutzern des öffentlichen Raums zu vermitteln. Dabei werden sie häufig mit verschiedensten sozialen Problemlagen wie z. B. Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Drogenkonsum, Kriminalität, Armut, Obdachlosigkeit oder Magersucht konfrontiert.

Straßen-Sozialarbeiter kümmern sich neben den elementaren Alltagsdingen wie Essen, Trinken, Schlafen, Hygiene und Gesundheit auch um den Umgang mit der Polizei und anderen Behörden. Zudem initiieren sie Aktivitäten, Projekte und gemeinsam entwickelte Unternehmungen, um auf unverbindlichen Wegen Gefährdungen aus dem Weg zu gehen, festgefahrene Situationen zu entzerren und tragfähige Zukunftsperspektiven aufzuzeigen.

Streetwork arbeitet nach den klassischen Methoden der Sozialen Arbeit Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit. Zudem spielen bei der aufsuchenden Arbeit Handlungsschwerpunkte wie Niederschwelligkeit der Angebote, Lebensweltorientierung, Freiwilligkeit, Akzeptanz, Vertrauensschutz und Anonymität, Parteilichkeit sowie interkulturelle Dialogfähigkeit eine besondere Rolle.

Aufgaben und Ziele von Streetwork

Vordergründiges Anliegen von Streetwork sind alltagsorientierte Dienstleistungen zur Verringerung sozialer Benachteiligungen, Stabilisierung des Lebensumfeldes und der Erschließung von Ressourcen durch konstante vertrauensvolle, verlässliche und akzeptierende Beziehungsstrukturen zwischen Straßenarbeitern und auf der Straße lebenden Kindern und Jugendlichen, aber auch Obdachlosen, Drogenabhängigen, Prostituierten oder Ex-Strafgefangenen. Dies ist Voraussetzung für die Annahme von Hilfen bei existenziellen Fragen wie Ausbildung und Arbeitssuche, aber auch für Sozialleistungen für Wohnen, Familie, Gesundheitsfürsorge und Suchtberatung.

Streetworker sind Gesprächspartner, agieren als Interessenvertreter sozial Benachteiligter bzw. gesellschaftlich Ausgegrenzter und unterstützen deren soziale Integration bzw. Wiedereingliederung, stärken aber auch deren Selbsthilfepotenzial. Sie berücksichtigen Bedürfnisse und Wünsche, individuelle Lebensläufe und Zukunftserwartungen ihrer Klienten und erarbeiten geeignete Strategien, um mit Hilfe bereits vorhandener Kompetenzen ihre Lebensperspektiven zu verbessern.

Streetwork kann aber auch fehlende oder unzureichende Angebote ermitteln, sozialpolitische Einmischungsstrategien entwickeln, die kommunale Sozial- und Jugendhilfeplanung beeinflussen, gesellschaftliche Ressourcen (Fremdhilfepotenzial) erschließen und durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit eine größere Akzeptanz für die Problemlagen der Klienten erreichen.

Bei der Betrachtung Sozialer Arbeit unter den Gesichtspunkten Effektivität und Effizienz fällt es allerdings im Streetwork oft schwer, Sachangemessenheit, Transparenz sowie Ergebnis-, Prozess- und Strukturqualität explizit nachzuweisen, weil häufig aus der Situation heraus entschieden werden muss (z. B. beim Einsatz von Handgeld) und greifbare Erfolge in der Zusammenarbeit mit Klienten eines langen Atems bedürfen.

Anforderungsprofil an die im Streetwork tätigen Fachkräfte

Zu den fachlichen Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Arbeitsfeld Streetwork / mobile Jugendarbeit sollte ein abgeschlossenes Studium Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Pädagogik oder Erziehungswissenschaften sowie die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen gehören.
Absolventen sozialer Studiengänge verfügen über fundierte Kenntnisse über Hilfesysteme, relevante rechtlichen Grundlagen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und sind mit Jugendszenen vertraut. Sie sind in der Lage, bei ungleichen Interessenslagen zu vermitteln, Konflikte zu lösen und die berechtigten Interessen ihrer Adressaten zu vertreten.

Gelingende Veränderungsprozesse in der Straßensozialarbeit erfordern neben beruflicher Identität, Fachkompetenz und Präsenz das authentische Auftreten von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen. Nur Unvoreingenommenheit, Empathie, ehrliches Interesse, Akzeptanz, Anpassungswille, kritische Sympathie, Geduld und das Verstehen von Jugendsprachen, aber auch Unverbindlichkeit und eine professionelle Distanz machen die Erfassung der Lebenswelt von auf der Straße lebenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen möglich.

Streetworker nehmen am Leben von jungen Leuten am sozialen Rand teil, müssen Situationen schnell und richtig beurteilen, umgehend reagieren und stoßen immer dann an ihre Grenzen, wenn deren Lebenswelten nicht ihren eigenen entsprechen.

Soziale Arbeit auf der Straße erfordert neben der Arbeit mit unterschiedlichsten Zielgruppen eine offene und kooperative Transparenz zwischen den Sozialarbeitern, belastbare Absprachen sowie Netzwerke zu Institutionen der Jugendhilfe, zum Allgemeinen Sozialen Dienst, zur Polizei, Arbeitsagenturen oder zur Psychiatrie, aber auch eine prozessunterstützende Vermittlung zwischen den gerade genannten Partnern und den Klienteninteressen.

Die Arbeitszeiten von Straßensozialarbeitern sind meist unbequem, denn die Hauptarbeitszeiten liegen in der Regel nachmittags, abends, an den Wochenenden oder adhoc bei dringendem Bedarf. Zudem unterliegen Streetworker dem „doppelten Mandat“ von Hilfe und Kontrolle.

Studieninhalte in Studiengängen der Sozialen Arbeit

In akademischen Studiengängen der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik oder Erziehungswissenschaften spielt Streetwork keine zentrale Rolle. Nichtsdestotrotz verfügen Absolventen über das notwendige Wissen, um in der Straßensozialarbeit tätig sein zu können. Allerdings empfiehlt es sich, neben der persönlichen Eignung auch thematisch geeignete Weiterbildungen oder Erfahrungsaustausche mit bereits tätigen Kollegen zu nutzen, um sich für das komplexe Arbeitsfeld fit zu machen.

Berufliche Perspektiven in der Straßensozialarbeit

Berufliche Einsatzgebiete von Streetworkern können kommunale Sozial- und Jugendämter sowie soziale und kirchliche Vereine, Verbände und Organisationen sein. Allerdings werden Streetwork-Projekte eher in Großstädten angesiedelt, in denen problembelastete Cliquen an sozialen Brennpunkten zum Straßenbild gehören.

Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Streetwork studieren

Gegenwärtig sind keine Studiengänge bekannt, die Streetwork als zentrales Thema behandeln. Allerdings wird bei Soziale Arbeit Studien mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe mobile Jugendarbeit recht häufig thematisiert.

Weiterbildungen im Bereich aufsuchende Arbeit/mobile Jugendarbeit werden z. B. von den Landesjugendämter und der Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork/Mobile Jugendarbeit angeboten, die zudem auch kollegiale Erfahrungsaustausche ermöglichen.


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