Berufliche Weiterbildungen für Erzieher

RiesenballDie Absolvierung einer staatlich anerkannten Erzieher-Ausbildung ist der Grundstein für den Berufseinstieg. Nichtsdestotrotz sind auch Erzieher gefordert, sich auch nach ihrer Ausbildung kontinuierlich zu qualifizieren und damit aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die tägliche Praxis einzubringen, ausgewählte frühpädagogische Praxisinhalte zu vertiefen, sich für die Einrichtungsleitung anzubieten oder auch berufspolitisch (öffentlich) zu engagieren.

Erzieher–und dann?

Das Interesse von Erziehern an regelmäßigen Weiterbildungen ist allgemein sehr hoch.  Auch in Bildungsplänen der Einrichtungen oder Zielvereinbarungen zwischen Kindertagesstättenleitung und Erziehern werden häufig (verpflichtende) Weiterbildungen festgeschrieben.

Allerdings wirken die hohen beruflichen Belastungen, Zeitdruck oder die entstehenden Kosten für Weiterbildungen insbesondere bei berufsbegleitenden Qualifizierungen oft kontraproduktiv und führen zum Sparen an der falschen Stelle.

Mögliche Weiterbildungsformen

Für (sozial)pädagogische Fachkräfte werden verschiedene Varianten der Fortbildung angeboten. Neben Tages- oder Wochenendseminaren und Fachtagungen über zertifizierte Zusatzqualifikationen bis hin zu ergänzenden Berufsausbildungen und weiterbildenden Studiengängen ist (fast) alles möglich. Auch Fachliteratur oder trägerinterne Schulungen können ergänzend genutzt werden.

Innerhalb der genannten Weiterbildungsformen fällt der Überblick auch bei der Anbieter- und Angebotsvielfalt schwer. Neben öffentlichen Institutionen wie den Landesjugendämtern halten auch Non-Profit-Organisationen, kommerzielle Anbieter und natürlich Hochschulen Fort- und Weiterbildungsangebote mit sehr verschiedenen Zeitfenstern vor.  

Nachfolgend genannte Formen spielen in der Erzieher-Weiterbildung eine zentrale Rolle:

  • Anpassungsweiterbildung für den Erhalt aktuellen beruflichen Wissens sowie Anpassung an neue Entwicklungen
  • Aufstiegsweiterbildung für einen beruflichen Karriereaufstieg (z. B. Fachwirt Erziehungswesen, Fachwirt Organisation und Führung, Betriebswirt Sozialwesen, Sonderpädagoge, Heilpädagoge, Motopäde)
  • Studium für den Ausbau der Berufs- und Karrierechancen (z. B. Bachelor Frühpädagogik, Kindheitspädagogik, Leitung und Management von Kindertageseinrichtungen, Soziale Arbeit für Erzieher)

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Anpassungsweiterbildungen für Erzieher

Berufliche Anpassungsfortbildungen finden meist zu einem speziellen Thema in Form von Seminaren oder Workshops an einem oder mehreren Tagen bzw. Wochenenden mit dem Ziel statt, berufsspezifische Fertigkeiten zu vertiefen und praxisorientiert zu erweitern.

Geeignete Weiterbildungsthemen für Erzieher in der Kindertagesbetreuung können z. B. Elementarpädagogik, Bewegung und Tanz, Sprachen, Musik, Gestalten, Natur und Umwelt, Ernährung bei übergewichtigen Kindern, Umgang mit ADHS, Erlebnispädagogik, Medienerziehung, Integrationspädagogik, Inklusion, Aufsichtspflicht, Verhaltensauffälligkeiten und Kindeswohlgefährdung sein.

Fortbildungen zu Teamentwicklung, Elternarbeit, Dienstplangestaltung, Partizipation, Kalkulationen oder Rechts- und Personalfragen richten sich meist vordergründig an Leiterinnen von Kindertagesstätten.

sozialpaedagogik-152Entsprechend des individuellen Bedarfs werden auch berufsbegleitende Weiterbildungen angeboten, die sich über mehrere Monate erstrecken und in der Regel mit Zertifikat abschließen. Beispiele sind etwa die Weiterbildung zum Gesundheits- oder Entspannungspädagoge, Elementare Musikpädagogik oder Pädagoge für Sprech- und Sprachkompetenz.
Diese Qualifizierungen bieten sich insbesondere dann an, wenn sich Kindertagesstätten  entweder spezialisieren oder auf einem Gebiet besonders profilieren möchten.

Die erfolgreiche Teilnahme an Anpassungsfortbildungen geht (leider) meist nicht mit einem beruflichen Aufstieg oder einer Gehaltserhöhung einher, sondern ermöglicht in der täglichen Arbeit eher veränderte didaktische Herangehensweisen, inhaltlich qualifiziertere Angebote oder neue pädagogische Schwerpunkte. Derartige Qualifizierungsmaßnahmen haben zudem den (positiven) Aha-Effekt, aktuelle erziehungswissenschaftliche oder frühpädagogische Erkenntnisse zu erhalten, sich in seinen bisherigen Herangehensweisen bestätigt zu fühlen oder Denkanstöße für ggf. notwendige Veränderungen zu bekommen.

Kurz- oder länger dauernde Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen eignen sich neben dem fachspezifischen Wissenserwerb besonders für inhaltliche Diskussionen, Erfahrungsaustausche und den persönlichen Input für den unter gleichen und ähnlichen Trägerschaften, Tätigkeitsfeldern oder externen Problemen arbeitenden Berufskollegen. Oftmals werden diese Erfahrungsaustausche von den Beteiligten sogar höher bewertet als der eigentliche Wissensgewinn.

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Aufstiegsweiterbildungen für Erzieher

Als Aufstiegsweiterbildungen für Erzieher kommen insbesondere in Frage

  • betriebswirtschaftliche orientierte Maßnahmen wie z. B. die Qualifizierung zum Fachwirt Erziehungswesen, Fachwirt Organisation und Führung im Sozialbereich oder Betriebswirt im Sozialwesen sowie
  • ergänzende Berufsrichtungen wie Sonderpädagoge, Heilpädagoge oder Motopäde.

Diese Bildungsmaßnahmen führen meist zu einer anderen bzw. höheren beruflichen Qualifikation.

Die Weiterbildungen zum Fachwirt Erziehungswesen, zum Fachwirt Organisation und Führung im Sozialbereich sowie Betriebswirt im Gesundheitswesen / Sozialwesen setzen einen einschlägigen Berufsabschluss (z. B. als Erzieher) sowie Berufserfahrung voraus und ermöglichen Interessenten den Einstieg in leitende Tätigkeiten in Kindergärten, Horten, Tagesstätten und Kinderkrippen, Kinder- und Jugendwohnheimen sowie bei Verbänden oder in Pflegeheimen. Zudem sind sie in der Lage, soziale Dienstleistungen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen zu erbringen.

Mit einer beruflichen Weiterbildung an Fachschulen, Akademien oder Berufskollegs können sich auch berufserfahrene Erzieher zum Staatlich anerkannten Sonder- oder Heilpädagogen qualifizieren.
In einer 2- bis 4-jährigen berufsbegleitenden Teilzeit-Weiterbildung erwerben die Teilnehmer Grundlagenwissen in den Bereichen wie Medizin, Psychiatrie, Psychologie, Recht und Sozialmanagement sowie fachspezifische Kenntnisse in der Heil- oder Sonderpädagogik, Didaktik und Methodik, der Soziologie sowie in verschiedenen Erziehungs- und Therapieformen (z. B. Kunsterziehung, Musiktherapie).

Mit einer 2-jährigen Teilzeit-Weiterbildung zum Staatlich anerkannten Motopäden können Sie in ihrer Wahrnehmung und Bewegung eingeschränkte Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Bereich der Frühförderung, in integrativen Einrichtungen, Förderschulen oder klinischen Einrichtungen in ihrer umfassenden Entwicklung fördern.

Achtung! Prüfen Sie vorher Ihre persönliche Eignung für Tätigkeiten in sonder- oder heilpädagogischen Berufsfeldern!

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Weiterbildende Studiengänge für Erzieher

Im Rahmen der Erzieherausbildung werden zunehmend (berechtigte) Stimmen laut, die für dieses Berufsfeld ausschließlich eine akademische Qualifikation fordern.

Nichtsdestotrotz haben Erzieher mit mehrjähriger Berufserfahrung, die ihre Ausbildung an einer staatlich anerkannten Fachschule erfolgreich abgeschlossen haben, die Möglichkeit, einen akademischen Studiengang Soziale Arbeit zu beginnen und ihr bisher erworbenes Wissen entscheidend zu erweitern und zu vertiefen.

Für die berufsbegleitenden Bachelor Studiengänge wie

gilt die Erzieherausbildung plus Berufserfahrung als Hochschulzugangsberechtigung.

Akademische Studiengänge wie etwa Fernstudium Heilpädagogik, Medienpädagogik oder Sonderpädagogik sind eher selten als Fernstudium Erzieher möglich, können jedoch im Rahmen von Präsenzstudien in der Regel mit einer anerkannten Erzieherausbildung absolviert werden.

Sollten Sie nach dem Bachelorabschluss einen weiterführenden sozialen Masterstudiengang anschließen wollen, stehen Ihnen alle Möglichkeiten offen.

Weiterbildungsangebote für Erzieher finden

Um geeignete Weiterbildungsangebote für Erzieher zu finden, werden Sie entweder direkt bei verschiedensten Anbietern fündig oder können Weiterbildungsdatenbanken wie z. B. den Deutschen Bildungsserver für Weiterbildungskurse nutzen.

Zudem fördert die im Jahr 2009 gegründete Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte – ein SP_logo16_Beachte_PinProjekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Robert Bosch Stiftung und des Deutschen Jugendinstituts – die Professionalisierung der Fachkräfte durch

  • abrufbereites Fachwissen zu aktuellen frühpädagogischen Themen,
  • berufsbegleitende und kompetenzorientierte Weiterbildung,
  • die kontinuierliche Beobachtung und Analyse von Professionalisierungsprozessen,
  • die bessere Verzahnung und Harmonisierung von beruflichen und akademischen Bildungswegen
  • kompetente fachliche Diskurse zur Qualität der Kindertagesbetreuung.

Auf dieser Seite finden Sie neben einem Fachkräftebarometer und Publikationen Datenbanken zu frühpädagogischen Studiengängen sowie Aus- und Weiterbildungsanbietern.

Trotz aller Vielfalt sollten Sie auf die Qualität der Weiterbildungsangebote achten. Insbesondere bei längerfristigen Maßnahmen empfiehlt es sich, Informationsveranstaltungen oder Einstiegsseminare der Anbieter besuchen, um Inhalte und Passfähigkeit zu überprüfen, sowie ggf. auf Erfahrungen von Berufskollegen zurückzugreifen.

Qualitätsmerkmal ist die „Staatliche Anerkennung als Träger der Weiterbildung“ und die Trägeranerkennung auf Basis der der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV), die notwendig ist, wenn Erzieher ihre Fortbildung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern bzw. finanzieren lassen möchten.


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