Umschulung zum Erzieher

KlettergartenSteigende fachliche Anforderungen und Fachkräftebedarfe – in den Bundesländern durch die jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen sehr unterschiedlich geregelt – führten in den vergangenen Jahren zu grundlegenden Überlegungen zur Flexibilisierung der Erzieherausbildung, alternativen Qualifizierungsmöglichkeiten und einer höheren Durchlässigkeit für Quereinsteiger.

Grundvoraussetzungen für den Erzieherberuf

Erzieher zu werden, setzt nicht nur Kinderliebe voraus. Neben einem fundierten frühpädagogischen Fachwissen in Theorie und Praxis sind insbesondere physische und psychische Belastbarkeit, Flexibilität, Kreativität, Spontanität, Neugierde und Offenheit Grundvoraussetzung für eine möglichst langjährige qualifizierte Berufsausübung.

Der Erzieherberuf ist längst keine Frauendomäne mehr. Immer mehr Männer interessieren sich heute für dieses Berufsfeld voller neuer Herausforderungen. Insbesondere für eine gleichberechtigte und harmonische Kindesentwicklung ist die alltägliche Interaktion und Auseinandersetzung mit männlichen Erziehern ebenso förderlich wie für das Klima in Kinderbetreuungseinrichtungen. 

Erzieherausbildung kompakt

Die Erzieherausbildung ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Voraussetzungen sind allerdings ein mittlerer Bildungsabschluss sowie eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung in einem sozialpädagogischen oder sozialen Beruf. Allerdings werden die beruflichen Grundlagen in den Bundesländern unterschiedlich bewertet. So werden etwa in Hessen und Rheinland-Pfalz ein Abschluss als Sozialassistent oder in Bayern eine Ausbildung als Kinderpfleger erwartet.

Die Ausbildung zum Erzieher ist als Breitbandausbildung angelegt und fokussiert nicht nur auf die Tätigkeit in Kindertagesstätten, sondern auch in anderen Bereichen der Jugendhilfe.

Die Ausbildung zum Erzieher dauert in der Regel 3 Jahre und besteht aus einer zweijährigen  überwiegend fachtheoretischen Ausbildung mit anschließendem einjährigem Anerkennungsjahr. Durch die Anerkennung von Vorleistungen kann eine Verkürzung der Ausbildungszeit möglich sein.

In Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen gibt es zudem eine praxisintegrierte Ausbildung (PIA) mit besonderer Verzahnung fachtheoretischer Inhalte, Praktika und des Anerkennungsjahres.

Die Ausbildung zum Erzieher erfolgt vorwiegend in Schulform und wird daher in den ersten beiden Jahren nicht vergütet. Lediglich das zur Ausbildung gehörende Praxisjahr wird bezahlt.

Umschulung zum Erzieher

Umschulungen zum Erzieher waren in den letzten Jahren aufgrund fehlender rechtlicher Regelungen noch nicht möglich, da innerhalb der Arbeitsförderung die Finanzierung des letzten Ausbildungsdrittels nicht gesichert werden konnte. Seither haben die meisten Bundesländer diese Lücke geschlossen, so dass insbesondere für sich umorientierende Akademiker, Empfänger von Arbeitslosengeld, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, Rehabilitanden oder Berufsrückkehrer auch eine Umschulung zum Erzieher an staatlichen Fachschulen und staatlich anerkannten Schulen in Frage kommen kann.

Erzieherumschulungen werden von den Arbeitsagenturen und Jobcentern durch Bildungsgutschein gefördert, sofern die persönlichen und landesrechtlichen Voraussetzungen gegeben sowie Bildungsträger und Maßnahme für die berufliche Weiterbildungsförderung zugelassen sind. Im Rahmen dieser Qualifizierungsförderung sind in der Regel die ersten beiden Ausbildungsjahre voll förderfähig. In einigen Bundesländern absolvieren die Umschüler das 3. Ausbildungsjahr als vergütetes Anerkennungspraktikum.

Im Jahr 2012 hatte übrigens die Bundesagentur für Arbeit das Ziel, etwa 5.000 Langzeitarbeitslose für den Erzieherberuf zu gewinnen.

Berufsbegleitende Weiterbildung zum Erzieher

Vom Kinderpfleger und Sozialassistenten zum Erzieher

Beruflich Qualifizierte wie z. B. Staatlich anerkannte bzw. geprüfte Sozialassistenten und Kinderpfleger können den Erzieherberuf an Fachschulen bzw. Fachakademien auch berufsbegleitend erlernen.

Kinderpfleger und Sozialassistenten absolvieren in der Regel eine 2-jährige Ausbildung an Berufsfachschulen und können anschließend eine Erzieherausbildung absolvieren. In einigen Bundesländern ist die Kinderpflege- oder Sozialassistenz-Ausbildung sogar Voraussetzung dafür. Während die Kinderpflegeausbildung einen Hauptschulabschluss erfordert, ist die Sozialassistenzausbildung teilweise an einen Mittleren Schulabschluss gebunden.

Inhalte der Ausbildung, Zugangsvoraussetzungen sowie die mit dem Abschluss verbundene Berufsbezeichnung sind auf Landesebene unterschiedlich geregelt.

Studium Kindheitspädagogik

Seit 2004 bieten auch Hochschulen berufsbegleitende Studiengänge zum Thema Frühpädagogik (u. a. Bildung und Erziehung im Kindesalter, Frühkindliche inklusive Bildung, Pädagogik der frühen Kindheit, Sozialpädagogik Schwerpunkt Elementar- und Hortpädagogik) an, in denen Sie sich z. B. mit einer abgeschlossenen Erzieherausbildung für eine berufliche Tätigkeit in Kindertagesstätten qualifizieren und ihre Arbeit wissenschaftlich fundieren können. Darüber hinaus wird durch die Professionalisierung natürlich auch eine Qualitätserhöhung in der Kindertagesbetreuung erwartet.

Die meisten früh- bzw. kindheitspädagogischen Studiengänge, die jedoch bezüglich der inhaltlichen Schwerpunkte, Dauer und Zulassungsvoraussetzungen variieren, schließen mit dem Abschluss „Staatlich anerkannter Kindheitspädagoge“ ab.

Allerdings sehen viele der Studierenden die Kindertagesbetreuung eher als Zwischenstation und wandern früher oder später aus inhaltlichen oder finanziellen Gründen in andere sozialpädagogische Arbeitsfelder wie z. B. Fachberatung oder Jugendamt ab.

Sie können grundsätzlich auch ohne (Fach-)Abitur studieren. Auch ein Berufsfachschulabschluss berechtigt in einigen Bundesländern unter bestimmten Voraussetzungen zur Aufnahme eines Studiums.

Quereinstieg in den Erzieherberuf

Erzieher im Kindergarten?Mit dem Modellprogramm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) werden Träger von Kindertagesstätten sowie Fachschulen bzw. -akademien gefördert, die für Berufswechsler eine vergütete, erwachsenengerechte und geschlechtersensible Ausbildung zum Erzieher entwickeln, ausprobieren oder verbessern wollen. Dieses Thema haben wir bereits in unserem Blog näher beleuchtet.

Auch die Bundesländer reagieren mit verschiedenen Möglichkeiten des Quereinstiegs auf den hohen Fachkräftebedarf. Diese richten sich vornehmlich an fachnahe Berufsgruppen wie Pädagogen, Heilerziehungspfleger und Grundschullehrkräfte, die neben ihrer Qualifizierung in einer Kita arbeiten, Theorie und Praxis eng verzahnen und berufsbegleitend den Status einer pädagogischen Fachkraft erwerben.

Zum Teil können auch fachfremde Berufsgruppen als sogenannte Ergänzungskräfte in Kindertagesstätten arbeiten. Dies kommt meist dann in Betracht, wenn für die Umsetzung bilingualer, musikpädagogischer oder sportlicher Konzepte besonderes fachspezifisches Wissen notwendig ist, das sich bereits tätige Erzieher in der Kürze der Zeit nicht aneignen können.

Kritisch ist es jedoch, wenn Quereinsteiger bereits mit Beginn ihrer Weiterbildung als Fachkräfte auf den Personalschlüssel von Kinderbetreuungseinrichtungen angerechnet werden.

Wenn Quereinsteiger einen Berufsabschluss als „Staatlich anerkannter Erzieher“ anstreben, ist dies über eine berufsbegleitende Ausbildung oder die Externenprüfung (auch Nicht-Schülerprüfung) als Sonderform möglich, die allerdings fachlich umstritten ist.

Einsatzfelder von Erziehern

Erzieher engagieren sich für die Betreuung und Förderung von Kindern und Jugendlichen insbesondere in Kinderbetreuungseinrichtungen wie z. B. in Kinderkrippen, Kindergärten, Horten, Heimen, Jugendzentren, Familien- oder Suchtberatungsstellen, Tagesstätten, Wohnheimen für Menschen mit Behinderung oder in ambulanten sozialen Diensten. Als weitere Arbeitsfelder kommen etwa Kinderkliniken, kirchlich-religiöse Einrichtungen der Kinderbetreuung, Grund- und Sonderschulen, Internate, Jugendorganisationen und Interessenvertretungen sowie Erholungs- und Ferienheime in Frage.

Durchlässigkeit der Erzieherausbildung

Die förderale Struktur in Deutschland behindert auch die Durchlässigkeit des Bildungssystems, wenngleich es durch den Fachkräftemängel und der Aufwertung der Bildungschancen in den letzten Jahren in dieser Frage deutliche Verbesserungen gab.

Für frühpädagogisches Fachpersonal ist insbesondere die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Aus- und Weiterbildung von zentraler Bedeutung. So haben etwa auch beruflich Qualifizierte ebenso die Chance auf ein Hochschulstudium (Fernstudium Erzieher) wie diejenigen, die bereits in der Berufsausbildung oder ihrer beruflichen Praxis entsprechende Kompetenzen erworben haben.

An vielen Hochschulen wurden zwischenzeitlich auch Verfahren entwickelt, mit denen Fachschulabsolventen mit einer kürzeren Studiendauer einen Bachelor Grad erwerben können.

Reserven in der Erzieheraus- und Weiterbildung

Mit (kritischem) Blick auf das bestehende Ausbildungssystem lassen die teils sehr unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer keine allgemeingültigen Aussagen zu, so dass auch Interessenten für den Erzieherberuf der Durchblick nicht leicht fallen wird.

Aus fachlicher Sicht werden zudem nachfolgende Optimierungsmöglichkeiten diskutiert:

  • die Steigerung der Ausbildungskapazitäten an Fachschulen bzw. Fachakademien und Ausbau von Teilzeitausbildungsplätzen,
  • der konsequente Ausbau frühpädagogischer Studienplätze,
  • die Verkürzung der Ausbildungszeit der Erzieherausbildung durch Anerkennung von Vorbildungen (z. B. Assistenzausbildungen) oder bereits vorhandene Kompetenzen (Erziehung eigener Kinder),
  • Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung sowie
  • das Nachholen des Berufsabschlusses.

Auch mit Werbe- und Imagekampagnen, Initiativen der Bundesländern sowie Modellprogrammen („Mehr Männer in Kitas“) soll das Berufsfeld attraktiver und zusätzliches Fachpersonal gewonnen werden.


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